| Bericht 1. Neumarkter Disc-Golf Turnier: Die Hablebrüder unter Druck
Der Wolfgang Pachler hat am 9./10. Dezember zur offiziellen Eröffnung des von ihm selbst gestalteten Neumarkter Golfparcours geladen, und natürlich sind alle gekommen, die in der Szene Rang und Namen haben. Gleich hier möchte ich erwähnen: Super Golfkurs, gratuliere, Wolfgang Pachler! Die Runde enthält alles, was ein gestandener Golfspieler im Laufe seiner Karriere nach und nach fürchten gelernt hat: Linkskurven, Rechtskurven, Hurnsastln, Waldschneisen und die spezielle Art von Gstettn, auf der sich die Discs fast immer nach der Landung aufzustellen pflegen und sich anschließend gemächlich unter dem Gejammere des Werfers bis an den tiefsten Punkt des Geländes verrollen. Und
dann noch die Mikro-Ziele, ein wahnwitziges Patent des Pachlers, das auch
aus dem Bastelbuch der Apollo-13-Besatzung entnommen sein könnte, ist
es aber nicht. Die Mikro-Ziele werden aus leergetrunkenen Cola-Light-Flaschen hergestellt. Zunächst wird der Flaschenhals geköpft, und dann die ganze restliche Flasche verkehrt herum auf einem Steckerl montiert. Das Steckerl kommt in den Boden, und fertig ist der albanische Golfkorb-Ersatz. Ironischerweise ist dann gleich in der ersten Runde der Wolfi selber ein Opfer seines Patents geworden: Am letzten Hole hat er einen fetten 7er gescort, weil er das Ziel weder von hinten noch von vorne getroffen hat. Doch damit nicht genug. Von seiner sadistischen Lebenseinstellung getrieben, hat er gleich am Anfang ein paar haarige OBs eingebaut und - erraten: gleich sein erster Wurf ist drinnen gelandet - und später noch ein weiterer, der ihm in Kombination mit einigen zusätzlichen Unzulänglichkeiten den zweiten 7er beschert hat. Damit war schon nach der ersten Runde klar: Heimvorteil hin oder her, wer seine eigenen Ziele nicht trifft, ist immer im Arsch. Aber der Wolfi hat sich dadurch seine Laune nicht verderben lassen, und am Abend war alles vergessen und die Johanna hat aufgekocht und die Biere sind gezischt und später noch in die Stadt, weil Neumarkt zur Stadt erhoben worden ist, und ins Wirtshaus und später noch ins Pub, wo der Wolfi einige aufstrebende Musiker vom Fleck weg engagiert hat - und schwupps, haben wir auch noch ein Livekonzert erleben dürfen! Auf der ersten Sonntagsrunde hat der Max mit 4 über Par den offiziellen Kursrekord aufgestellt. Obwohl der Wolfi steif und fest behauptet hat, dass er schon einmal 2 über gespielt hat, aber da waren außer ihm nur ein Fuchs und ein Hase, die das gesehen haben. Und außerdem hat er sich durch seine Samstagrunde so unglaubwürdig gemacht, dass ihm das sowieso niemand geglaubt hat. Ich selber habe auf dieser Runde meinen Vorsprung mehr als verpulvert, durfte aber Dank der Flatzer Regel, die ich dem Wolfi einreden konnte, noch immer auf den Sieg hoffen. Und das Finale war dann tatsächlich sehr spannend: Zuerst war der Max immer vorne, aber der Wolfi und ich haben uns nicht so recht abhängen lassen. Dann ist bei Hole No. 12 das mit der Gstettn, die ich oben beschrieben habe, zum Tragen gekommen, und verbunden mit einem Puttfehler hat der Max einen 6er geschrieben und war mit einem Schlag nicht nur die Führung los (um einen Punkt), sondern hat auch sofort den Wolfgang in seinem Rücken gespürt (2 Punkte dahinter). Beim nächsten Hole hab ich sogar 2 Punkte Vorsprung gehabt, und bei Hole 17 immer noch, obwohl ich dazwischen in ein OB geworfen habe, das der Wolfi an dieser Stelle eigentlich nicht vorgesehen hatte. Dafür ist der Wolfi beim 17er nur noch einen Punkt hinter dem Max gelegen. Da hat er übrigens gezeigt, was in ihm steckt: Denn obwohl ich zu diesem Zeitpunkt in Hochform war und der Max sich mit Händen und Füßen gewehrt hat, hat der Wolfi enormen Druck ausgeübt und uns vor sich hergejagt. Jetzt
ein Kapitel, über das ich ja nicht so gerne schreibe, aber im Sinne
einer objektiven Berichterstattung komme ich wohl nicht daran vorbei:Also ich noch immer in Führung, bei Hole 17 um zwei Punkte, da sollte man denken, das wird schon reichen. Doch da hat es sich ganz schlecht ausgewirkt, dass der Neumarkter Kurs anstatt der sonst üblichen 18 Holes über deren 20 verfügt. Und während Max das Hole 18 Par gespielt hat, habe ich 4 Würfe gebraucht und der Wolfi sogar 5. Für den Wolfi war es jetzt Zeit, dem Sieg Ade zu sagen und für mich hieß es Nerven bewahren, aber das gelingt einem ja nie, wenn man es sich vornimmt. Prompt hab ich mich gleich beim 19er blöd verputtet, aber der Max hat da auch zähneknirschend einen 4er notieren müssen. Beim letzten Hole schließlich hat der Max bedingungslos angegriffen und wirklich einen 3er geschafft - und wer das Hole kennt, muss zugeben, dass es sicher keines der Leichteren ist. Also wieder zum Stechen. Beim Ausspielen des Entscheidungsholes waren der Max und ich wieder gleich, weil ich diesmal einen exzellenten Putt hingelegt habe und damit den exzellenten Pull des Maxen wettmachen konnte, doch dann war es schon ziemlich dunkel, und beim Closest-to-the-Pin-Entscheid siegte der Max mit 28:35 Meter. Jetzt war ich natürlich schon etwas angefressen, weil erstens schon zwei Punkte Vorsprung, zweitens kleiner Bruder und drittens schon wieder. Aber
aus Gründen der Fairness bin ich dann doch zur Siegerehrung gegangen,
und die hat mich wieder für alle Enttäuschungen entschädigt.
Wenn man bedenkt, was man bei so manch anderer Golfveranstaltung als Preis
vorgesetzt bekommt (z.B. Föhrenzapfen-Challenge), war diese Üppigkeit
fast beschämend. Nicht nur, dass es riesige Pokale für die Erstplazierten
gab, auch die Sachpreise waren nicht von so schlechten Eltern wie die beim
Jan Becher-Turnier. Ich freue mich jedenfalls narrisch über meine Designerlampe
und der Max sich über seine neue Friteuse. Schweren Herzens haben wir uns dann auf den Heimweg gemacht, weil die Johanna hat uns doch hinten und vorne bedient und daheim wartet eh nur das dreckige Geschirr, und kochen können wir auch nicht so gut. Außerdem war alles gratis, und das muss man den Veranstaltern wirklich hoch anrechnen, dass sie sich nämlich in keinerlei Hinsicht lumpen ließen und uns so ein herrliches und unvergessliches Wochenende beschert haben. Franz Hable Ergebnis
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